Geistes-Gestört

wer nichts zu schaffen hat dem macht ein Nichts zu schaffen

 

Eine inszenierte Textcollage, Dauer ca. 40 Minuten

 

Mit Nana Hülsewig, Stela M. Katic, Evelyn E. Lepetit

Regie: Günter Brombacher

Textcollage/Ausstattung: Nana Hülsewig

Video: Evelyn E. Lepetit


 

NANA&FRIENDS das sind in dieser Produktion Stela M. Katic, Evelyn E. Lepetit und Nana Hülsewig unter der Regie von Günter Brombacher. 

In einem temporeichen Spiel von Assoziationen und Dissoziationen fordern sie den Sinn für das absolut Komische heraus. Das Lachen und der Zweifel gehören bekanntlich zusammen, beide, so Baudelaire, sind satanischen Ursprungs und daher tief menschlich. 

Stellen sie sich einmal vor, sie verlören ein Bein. Im Moment der Vorstellung ist das entsetzlich, weil sie sich darauf konzentrieren. Aber wenn Sie tatsächlich ein Bein verlieren, akzeptieren Sie es und hören auf ständig daran zu denken.(GEISTES-GESTÖRT: D. Kahnemann, Glück durch Geld ist eine Illusion

Welche Vorstellung des Glücks, das anders sein könnte als sowohl erfüllt und ständig zerbrochen,  lässt sich denn  entwickeln?

Wie richtet man sich ein mit Einschränkungen und Verlusten? Und welche Haltung lässt sich finden? 

Drei Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebenserfahrungen agieren auf der Bühne. Vielleicht sind es auch drei Bühnen und eine Frau. Aber Eindeutigkeit spielt gar keine Rolle und Identität wird gar nicht erst gesucht. In Nana Hülsewigs inszenierter Textcollage GEISTES-GESTÖRT werden anstelle verbindlicher Aussagen Ahnungen angeboten, die aus Kriminalgeschichten, Poesie, Weltliteratur oder Glücks-Keks-Weisheiten ausgeborgt und zu einem dichten Textgewebe zusammengesetzt sind. Dabei entstehen sinnhafte Zusammenhänge und die Kunst der Interpretation, wie Rancière es nennt, „die poetische Arbeit des Übersetzens“. Denn wie die Autorin, die Schauspielerinnen oder der Regisseur legt auch der Zuschauer eigene Pfade an in einer Gemeinschaft von Geschichtenerzählern.


Lili Scholtes


 

 

So etwas hab ich noch nie gesehen:

Was eigentlich? Eine Performance? Ein Theaterstück? Eine Denk- Show?

Auf jeden Fall etwas Ungewöhnliches, schwer Einzuordnendes - aber sehr Lebendiges:

Eine Schneiderin, eine Schauspielerin und eine Philosophin sind in sich und ihre jeweilige Tätigkeit vertieft. Sie nähen, probieren an und aus, machen Yoga und schauen sich gegenseitig zu. Die Kommunikation der drei Spielerinnen auf der Bühne ist  geprägt von Humor, Ironie und Authentizität.

Sie denken laut, sprechen Texte, Zitate aus ganz verschiedenen Texten die scheinbar nichts miteinander zu tun haben - und kommen

in einen  Dialog und in Beziehung zueinander.

Show, Schauspiel, Performance - verschiedene Elemente erscheinen schlaglichtartig in ihrem Spiel - sobald man aber meint, einen Faden zu verfolgen, passiert etwas Neues, Anderes und Unerwartetes. Und die Ordnung ist wieder verschwunden..

Den Titel GEISTES-GESTÖRT verstehe ich als Gütesiegel, sich Gedanken und ein unerhörtes Theaterstück zu erlauben, das es so noch nicht gegeben hat.

 

Karin Frucht, Stuttgart, 14.10.2008